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Provenienzrecherche an der Universitätsbibliothek zu den Erwerbungsjahren 1933 bis 1945

Seit Juli 2022 führt die Universitätsbibliothek eine umfassende Provenienzrecherche nach Raubgut im Kontext der NS-Herrschaft aus den Erwerbungsjahren 1933 bis 1945 durch. Im Rahmen des Projekts werden die rund 63.000 Einheiten, die während dieser Zeit in den Rubriken Geschenk, Tausch und Kauf erworben wurden, untersucht. Ziel ist die Identifikation von verdächtigen Exemplaren und letztendlich die Rückgabe von Büchern, welche die Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität zu Unrecht besitzt, an die anspruchsberechtigten Personen, geschädigten Institutionen und Organisationen bzw. an deren Erben oder Rechtsnachfolger.

In der Zeit der NS-Herrschaft gingen insgesamt ca. 63.000 Titel in die Zentrale Universitätsbibliothek der damaligen Friedrich-Wilhelms-Universität ein. Da die Bibliothek, wenngleich in der Mitte Berlins gelegen, während des Zweiten Weltkriegs kaum Verluste durch Luftangriffe, Kriegshandlungen und Verlagerungen erlitt, ist dieser Bestand weitgehend erhalten. Er befindet sich heute großenteils im Jacob- und Wilhelm-Grimm-Zentrum.

Titelblatt "Spartakusbriefe" Band 1

 Das Buch "Spartakusbriefe" lässt sich anhand des Stempels als beschlagnahmt identifizieren.

In den kommenden zwei Jahren sollen diese Erwerbungen systematisch auf unrechtmäßige Zugänge untersucht werden. Den Ausgangspunkt dafür bildet die Prüfung der glücklicherweise fast vollständig erhaltenen Akzessionsjournale der Zentralbibliothek. Anschließend werden solche Exemplare, deren Provenienz fragwürdig ist, ausgehoben und einzeln per Autopsie geprüft. Nach einer zu Beginn des Projekts durchgeführten Schätzung sind dies ca. 14.000 Titel. Bei Verdachtsmomenten wird ihre Herkunftsgeschichte genauer erforscht. Die Ergebnisse der Forschungen werden im Bibliothekskatalog dokumentiert. Gegebenenfalls werden die Anspruchsberechtigten ermittelt.

Diese erste systematische Provenienzrecherche im Bestand der Zentralen Universitätsbibliothek bildet den Anfang für eine umfassende Erforschung zu   NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgütern   in allen Beständen unserer Einrichtung. An mehreren der insgesamt 12 Standorte könnte sich ebenfalls NS-Raubgut befinden. Da aber die ehemaligen Instituts- und Seminarbibliotheken eine je eigene Bestandsgeschichte aufweisen und somit auch von denen der Zentralbibliothek verschiedene Archivquellen, z.B. eigene Zugangsunterlagen, für sie vorliegen, können die Bestände der Zweigbibliotheken nicht im vorgestellten Projekt bearbeitet werden. 

Die Provenienzforscherin Cornelia Briel führt die Recherchen zusammen mit drei Servicekräften und unterstützt vom bibliothekarischen Team der Abteilung Historische Sammlungen durch.

Ausschnitt des Akzessionsjournals der ZUB, Dona 1934

Abb.: Akzessionsjournal der Zentralen Universitätsbibliothek, Tausch 1934, Eintrag-Nr. 322: "Spartakusbriefe"(https://www.digi-hub.de/viewer/image/1455693378356/21/-/).

 

Projektleitung
Dr. Yong-Mi Rauch
yong-mi.rauch@ub.hu-berlin.de

Projektkoordination
Dr. Cornelia Briel (Provenienzforscherin)
cornelia.briel@ub.hu-berlin.de

Team
Laura Grosse
Henriette Hiller
Milena van Rooij

Gefördert wird das Forschungsprojekt vom Deutschen Zentrum für Kulturgutverluste in Magdeburg. Zusätzliche Mittel für das Projekt stellt der Vizepräsident für Forschung der HU sowie die Universitätsbibliothek selbst.