Fachinformationsdienst Sozial- und Kulturanthropologie

Die Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin sammelte von 1998 bis einschließlich 2015 deutsche und internationale Literatur aus der Sozial- und Kulturanthropologie möglichst vollständig im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Sondersammelgebiets (SSG) Volks- und Völkerkunde und stellte sie deutschlandweit zur Verfügung. Zudem baute sie zwischen 2003 und 2007 mit DFG-Mitteln die virtuelle Fachbibliothek für die ethnologischen Fächer – EVIFA – auf, die bis heute betreut und ausgebaut wird.

Da das Sondersammelgebietssystem zum Jahresende 2015 eingestellt wurde, hat die UB der HU unter Einbeziehung der beiden Fachgesellschaften (Deutsche Gesellschaft für Sozial- und Kulturanthropologie und Deutsche Gesellschaft für Volkskunde) einen Antrag in der DFG-Förderlinie "Fachinformationsdienste für die Wissenschaft" (dem Nachfolgeprogramm zu den SSGs) gestellt – mit Erfolg: Seit dem 1. Januar 2016 wird in der Nachfolge des SSG der Fachinformationsdienst Sozial- und Kulturanthropologie (FID SKA) aufgebaut. Mit der Bewilligung des zweiten Fortsetzungsantrags geht der FID SKA 2022 in seine dritte Förderphase.

Der Fachinformationsdienst fokussiert sich auf die Erwerbung fachhistorischer und theoretisch-methodischer Literatur aus den ethnologischen Fächern (national wie international) sowie auf die ethnologische Forschung aus dem deutschsprachigen Raum, steht aber auch allen Anschaffungswünschen aus der Forschung gegenüber offen. Daneben bemühen wir uns in Kooperation mit dem Kompetenzzentrum für Lizenzierung um die Aushandlung von überregionalen elektronischen Lizenzen für den direkten Zugriff für die Fachcommunity.

Gemeinsam mit seinem Partner, dem Forschungsdatenzentrum Qualiservice der Universität Bremen, wird der FID in seiner dritten Förderphase von 2022 bis 2024 diese Dienstleistungen weiterentwickeln und insbesondere auf dem Feld der Archivierung und Bereitstellung von Forschungsdaten intensivieren. Forschungsprojekte sollen im konkreten Umgang vor allem mit qualitativen, oftmals hochsensiblen Daten aus ethnographischen Forschungen praktisch unterstützt werden. Ethnolog:innen in Deutschland erhalten so erstmals eine verlässliche Anlaufstelle, in der sie ihre Forschungsdaten archivieren und für die geschützte Sekundärnutzung anfordern können. Dazu wird bei Qualiservice in Bremen der Bereich für ethnographische Forschungsdaten weiter ausgebaut und ein Informations- und Beratungsangebot eingerichtet. Die HU wird die Diskussion mit den ethnologischen Fächern auf wissenschaftspolitischer Ebene und hinsichtlich methodischer Implikationen weiterführen.

Darüber hinaus werden auch in dieser Förderphase mit Hilfe des Kompetenzzentrums für Lizenzierung (KfL)  elektronische Ressourcen für den überregionalen Zugriff für Forschende der ethnologischen Fächer verhandelt und bereitgestellt. Laufend werden z.B. ethnologische E-Books aus dem Verlagsprogramm von Berghahn freigeschaltet und verschiedene Zeitschriften des Verlags können nach Registrierung beim KfL genutzt werden.

Das Projektmodul zur  Gemeinsamen Normdatei und Fachvokabularen setzt die Arbeit aus der zweiten Förderphase unter dem Motto “Anreicherung der Gemeinsamen Normdatei (GND) mit ethnologischen Termini” fort, zielt aber auch auf eine Verknüpfung von Vokabularen und auf das Erproben technischer Lösungen zum Mapping und zur Auswertung von derartigen Ontologien. Ziel ist insgesamt eine verbesserte Abbildung und Sichtbarkeit ethnologischer Inhalte in diesem umfassend anwendbaren Vokabular, aber auch die Schaffung von Synergieeffekten zwischen unterschiedlichen Vokabularen.

Gebündelt werden all diese Informationen auf dem Fachportal für die ethnologischen Fächer EVIFA (www.evifa.de), das Ende Januar 2019 in neuem Gewand und mit einer neu aufgestellten Suchmaschine (samt der bibliographischen Daten zu den lizenzierten Produkten) sowie dem bewährten News-Service an den Start ging und fortlaufend ausgebaut wird (seit Sommer 2021 mit einer englischen Version).

EVIFA bleibt damit zentrales Fachportal, um ethnologische Informationen zu finden und Zugriff auf Digitalisate aus unseren Digitalisierungsprojekten (digi.evifa.de) zu bekommen.

Ihre Anregungen und Wünsche für unsere Arbeit im FID sind sehr willkommen!

 

FID-Lizenzen

Der Fachinformationsdienst hat in Absprache mit seinem Beirat, anderen ethnologischen Bibliotheken und den Fachgesellschaften unterschiedliche Online-Angebote von verschiedenen Anbietern lizenziert, um sie der ethnologischen Forschung überregional zur Verfügung zu stellen. Prinzipiell werden die Lizenzverhandlungen für den FID vom Kompetenzzentrum Lizenzierung (KfL) geführt.

In der ersten und zweiten Förderphase des FID sind folgende Lizenzen verhandelt und umgesetzt worden:

  • Ethnographic Video Online – Volumes I + II + III + IV (Alexander Street Press/ProQuest)
  • Berghahn E-Book-Pakete
  • Berghahn E-Journals
  • Anthropology Plus
  • Oxford Bibliographies Online: Anthropology (Oxford University Press)

Aus Mangel an Nutzung wird die dynamische und wenig nachhaltige Datenbank Anthropology Plus in der dritten Förderphase - anders als die Verträge mit Berghahn - nicht weitergeführt. Als neue Datenbank soll bereits Anfang 2022 Environmental Issues Online von Alexander Street/ProQuest lizenziert und für den Zugriff freigegeben werden.

Berechtigt für den Zugriff auf die lizenzierten Ressourcen sind die Mitglieder:innen der beiden großen Fachgesellschaften (DGSKA und dgv), die individuelle Zugänge (Benutzername, Passwort) an ihre jeweiligen Mitglieder:innen vergeben und administrieren. Darüber hinaus besteht für den FID selbst die Möglichkeit, bis zu 200 Einzelpersonen (bspw. Forschenden anderer Fächer) individuelle Anmeldungen mit einer Laufzeit von einem Jahr zu ermöglichen. Die Anmeldung zur Nutzung der Ressourcen erfolgt über die KfL-Webseite zu den FID-Lizenzen. Abweichend davon ist der Zugang zu Ethnographic Video Online für ausgewählte Universitäten und Institutionen, an denen ethnologische Fachbereiche bestehen bzw. ethnologische Forschung betrieben wird, über Campuszugänge realisiert (eine Auflistung finden Sie in dieser Meldung bei EVIFA).

Ansprechpersonen

Matthias Harbeck
Fachreferent für Ethnologie, Leiter FID Sozial- und Kulturanthropologie

Kontakt:
E-Mail: matthias.harbeck@ub.hu-berlin.de
Telefon: +49 30 2093 - 99223

Jacob-und-Wilhelm-Grimmzentrum, Raum 9.514
Geschwister-Scholl-Straße 1-3
10117 Berlin

 

Forschungsdatenmanagement

Berlin

Dr. Sabine Imeri
wiss. Mitarbeiterin

Kontakt:
E-Mail: sabine.imeri.1@ub.hu-berlin.de
Telefon: +49 30 2093 - 99240

Jacob-und-Wilhelm-Grimmzentrum, Raum 9.508
Geschwister-Scholl-Straße 1-3
10117 Berlin

Bremen

Dr. Elisabeth Huber
wiss. Mitarbeiterin

Kontakt:
E-Mail: ehuber@uni-bremen.de
Telefon: +49 421 219-57058

Susanne Kretzer
wiss. Mitarbeiterin

Kontakt:
E-Mail: skretzer@uni-bremen.de
Telefon: +49 421 218-58616

Sitz:
Universität Bremen
Datenservicezentrum Qualiservice / SOCIUM Research Center on Inequality and Social Policy
Mary-Somerville-Str. 9
28359 Bremen


Digitalisierung

Anabelle Spallek

Kontakt:
E-Mail: anabelle.spallek.1@ub.hu-berlin.de
Telefon: +49 30 2093-99342

Jacob-und-Wilhelm-Grimmzentrum, Raum 8.530
Geschwister-Scholl-Straße 1-3
10117 Berlin

Erfassung ethnologischer Nachlässe

Berlin

Dr. Julia Zenker
wiss. Mitarbeiterin

Kontakt:
E-Mail: julia.zenker@ub.hu-berlin.de
Telefon: +49 30 2093 - 99266

Jacob-und-Wilhelm-Grimmzentrum, Raum 8.527
Geschwister-Scholl-Straße 1-3
10117 Berlin

Hamburg (Projektteil beendet)

Michael Münnich, M.A.
wiss. Mitarbeiter

 


GND-Projekt

Moritz Strickert, M.A./ M.A. L.I.S.
wiss. Mitarbeiter


Kontakt:
E-Mail: moritz.strickert@ub.hu-berlin.de
Telefon: +49 302093-99250

Jacob-und-Wilhelm-Grimmzentrum, Raum 9.535
Geschwister-Scholl-Straße 1-3
10117 Berlin

Wissenschaftlicher Beirat

Der Fachinformationsdienst wird - wie zuvor das Sondersammelgebiet - in seiner Arbeit durch einen wissenschaftlichen Beirat begleitet und beraten. Diesem Beirat gehören Vertreter:innen beider ethnologischen Fachtraditionen sowie der Museen und außeruniversitären Forschung an, derzeit sind dies:

  • Prof. Dr. Beate Binder, Vorsitzende, Vertreterin für den Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde, Institut für Europäische Ethnologie (HU Berlin)
  • Prof. Dr. Silvy Chakkalakal, Vertreterin für die universitäre Forschung der volkskundlichen Fachtradition, Institut für Europäische Ethnologie, (HU Berlin)
  • Dr. Sophia Thubauville, Vertreterin für die universitäre Forschung der völkerkundlichen Fachtradition, Frobenius-Institut (Frankfurt/M.)
  • Prof. Dr. Alexis von Poser, Vertreter für die ethnologischen Museen (Ethnologisches Museum Berlin)
  • Prof. Dr. Martin Sökefeld, Vertreter für den Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Sozial- und Kulturanthropologie, Institut für Ethnologie (LMU München)
  • Dr. Bertram Turner, Vertreter der außeruniversitären Forschung, Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung (Halle)

 

Hintergrundinformationen zum Bestand des FID/SSG

An der UB der HU bildet insbesondere der Altbestand, der sich zum Teil aus der volkskundlichen Sammlung der ehemaligen Akademie der Wissenschaften der DDR speist, eine sehr gute Grundlage an ethnologischer Literatur. Hinzu kommen der volks- und völkerkundlichen Altbestand der ehemaligen Zentralbibliothek und auch der hervorragende, vor allem volkskundlich-kulturwissenschaftliche Bestand aus der ehemaligen Zweigbibliothek Europäische Ethnologie. Seit 1998 hat zudem eine massive Sammeltätigkeit den Literaturbestand zu einer der größten ethnologischen Bibliotheken Deutschlands anwachsen lassen. Neben dem Zugriff auf über 1000 elektronische Zeitschriften aus dem Fächerspektrum, stehen auch fast 500 Printzeitschriften mit ethnologischen Inhalten zur Verfügung. Mit der Fertigstellung des Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrums 2009 wurden diese Bestände erstmalig zusammengeführt.

Zu den Fachseiten für die Ethnologie (Volks- und Völkerkunde). Mehr Informationen zum Sondersammelgebietssystem im Allgemeinen finden Sie auf den Seiten von Webis.