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Die Amtsketten des Rektors

Die Amtsketten des Rektors der Berliner Universität bzw. der Humboldt-Universität
(Text: Angelika Keune)

Am 20. Oktober 1817 wurde die Amtskette des Rektors vom Ministerium für geistliche, Unterrichts- und Medicinal-Angelegenheiten der Berliner Universität verliehen. An einer vergoldeten langen Kette befand sich ein Medaillon mit dem Abbild Friedrich Wilhelm III., Stifter der Berliner Universität.

Von 1828 bis 1945 trug die Berliner Universität den Namen Friedrich-Wilhelms-Universität. 1949 wurde der Universität der Name Humboldt-Universität verliehen, doch das Medaillon von 1817 wurde noch in den fünfziger Jahren getragen. Erst anlässlich des 150 jährigen Universitätsjubiläums 1960 wurde eine neue Amtskette geschaffen, deren Medaillon das Doppelporträt von Alexander und Wilhelm von Humboldt zeigt.

Die Amtskette des Rektors wurde zu allen feierlichen Anlässen präsentiert. Als es für den Rektor noch üblich war, zu diesen Anlässen im Talar zu erscheinen, trug er sie über dem Talar. Als die Talare ab 1968 nicht mehr öffentlich getragen wurden, legte er die Kette nur noch anlässlich großer Feierlichkeiten an und auch nach 1992, als sich die Humboldt-Universität eine Präsidialverfassung gegeben hatte, trugen die Präsidentin bzw. der Präsident die Amtskette als Zeichen der Verbundenheit mit den Traditionen der Universität.

Geschichte

Am 14. Dezember 1816 wurde der Berliner Hofmedailleur Ludwig Jachtmann (1775 – 1842) vom Ministerium des Innern für Handels- und Gewerbe-Angelegenheiten beauftragt, für den Amtsschmuck der Rektoren der Universitäten Berlin und Breslau eine Zeichnung für ein Medaillon mit dem Bildnis Friedrich Wilhelm III. anzufertigen.

Am 11. Januar 1817 ging diese Zeichnung beim Akademischen Senat der Universität ein, und nachdem die Universität angehört und die Inschrift der Medaille festgelegt worden war, bestellte das Ministerium am 17. Mai 1817 bei der Akademie der Künste die Schaumünze. Doch vermutlich war das Ministerium mit der Ausführung des Königsporträts nicht vollkommen zufrieden, denn es bat außerdem darum, dass der Medailleur und Bildhauer Leonhard Posch (1750 – 1831) die Medaille nach der vorliegenden Zeichnung modellieren solle, das Brustbild jedoch ähnlicher „mit dem ähnlichsten Kopfe“ gestalten möge. Posch hatte bereits 1815 ein Brustbild von Friedrich Wilhelm III. in Uniform angefertigt, das anscheinend besser gefiel. Vier Wochen später, am 14. Juni 1817, wurde das neue Modell von Posch in der Akademie begutachtet und außerordentlich gelobt.

Posch sollte nun auch die Schriftpunzen modellieren und der Medailleur Anton Friedrich König d.J. (1794 – 1844) die zwei Exemplare in Gold gießen. Wegen ihrer Größe, 75 mm, wurden die Anhänger nicht geprägt, sondern gegossen.

Alle drei am „Amtszeichen des Magnificus der Universität“ beteiligten Medailleure waren hochgeschätzte Künstler ihrer Zeit und Meister ihres Faches.

Johann Gottfried Schadow bezeichnete Ludwig Posch begeistert als einen Profilporträtisten, „in dessen Arbeiten sich eine Geschicklichkeit und eine Feinheit der Ausführung mit Geschmack verbunden zeigt, die noch von keinem lebenden Künstler in diesem Fache erreicht wurde.“ Und Wilhelm von Bode würdigte 1908 dessen Schaffen mit den Worten „Die Arbeiten von Posch sind das beste, was in den ersten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts auf diesem Gebiet überhaupt entstanden ist. (Anne Forschler-Tarrasch: ebenda, S. 10)

Posch schuf annähernd 900 Arbeiten, vor allem Medaillons, von mehr als 800 Zeitgenossen aus Adel und Bürgertum. Eines seiner ersten Werke waren Medaillons von Wolfgang Amadeus Mozart, 1788 und 1789, eines seiner letzten waren ein Medaillon und eine Porträtbüste von Johann Wolfgang Goethe im Jahre 1827.

An Ludwig Jachtmann lobte Schadow vor allem dessen Umsicht und Sorgfalt und sein immer währendes Streben nach Weiterbildung und Vervollkommnung seines Handwerkes. (Schadow, ebenda, S. 231) Jachtmann entwarf ab 1816 über 20 Jahre lang den Amtsschmuck für die preußischen Universitäten, neben den Rektorenketten die großen Universitätssiegel sowie die kleinen Dekan- und Fakultätssiegel.

Beide Rektoren der Universitäten Berlin und Breslau erhielten den gleichen Amtsschmuck mit unterschiedlicher Inschrift.

In Berlin überreichte am 20. Oktober 1817 anlässlich des Reformationsfestes das Kultusministerium feierlich dem Rektor Philipp Konrad Marheineke (1780 - 1846), seit 1810 Professor für Dogmatik und Kirchengeschichte an der Berliner Universität, die Amtskette mit dem Medaillon.

 

Die Kette von 1817

Ludwig Jachtmann war auch mit der Anfertigung der Kette beauftragt worden. Seine ersten Entwürfe wurden zwar gelobt, dann aber doch verworfen. Die erste Zeichnung zeigte eine Kette mit vier kleinen runden Medaillons, Sinnbilder der Fakultäten. Doch die Medaillons erschienen den Gutachtern, unter ihnen Schadow, zu klein. Jachtmann unterbreitete einen neuen Entwurf für die Kette. Diesmal waren die Glieder oval und wegen des besseren Verhältnisses zur Medaillongröße in doppelter Reihe vorgesehen, aber der Künstler fügte in seinem erklärenden Bericht sogleich hinzu: „Sollte ein Hohes Ministerium diese zweite Reihe überflüssig finden, so kann derselbe diese streichen.“ Die sechs oder sieben ovalen Glieder der inneren Kette stellten eine Fortsetzung der Glieder dar, die aus dem Henkel des Medaillons kommen, und waren so eingerichtet, dass sie auf die gewünschte Höhe eingehakt werden konnten. Am 20. März 1817 äußerte sich das Ministerium beifällig und erteilte Jachtmann den Auftrag zur Anfertigung der Doppelkette. Die schweren Ketten waren aus Silber und stark vergoldet.

Diese Beschreibung spricht dafür, dass die heute an der Humboldt-Universität vorhandenen dreigliedrigen Ketten nicht die ursprünglichen sind.

 

Geschichte

Noch in den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts wurde das Medaillon von 1817 mit dem Bildnis Friedrich III. zu akademischen Feierlichkeiten vom Rektor der Humboldt-Universität zu Berlin getragen.

Als 1953 eine neue Siegelordnung in Kraft trat, die den Universitäten das Recht einräumte, ein besonderes Siegel zu führen, beauftragte der damalige Rektor Walter Neye (1901–1989) den stellvertretenden Direktor des Instituts für Kunsterziehung Georg Stapel (1903–1960) mit der Anfertigung von Entwürfen für ein neues Universitätssiegel. Obwohl schon 1953 dem Akademischen Senat Entwürfe vorlagen und von Anfang an das Doppelbildnis der Humboldt-Brüder favorisiert wurde, kam es zu keiner Entscheidung.

Erst in Vorbereitung des bevorstehenden Doppeljubiläums 150 Jahre Berliner Universität und 250 Jahre Charité im Jahre 1960 wurde vom nunmehrigen Rektor Kurt Schröder (1909–1978) zur Vorbereitung eines neuen Siegels eine Kommission berufen, die die bereits vorhandenen Vorschläge begutachtete und formale Grundsätze zur Funktionalität benannte. Entscheidendes Kriterium sollte sein, dass der Entwurf für die Realisierung verschiedener Bestimmungen genutzt werden konnte: als Medaille für die Amtskette des Rektors, als Plakette, als Prägestempel, als Petschaft, als gedrucktes Signum auf wichtige Dokumente, als üblicher Stempel. Um diesen vielfältigen Funktionen genügen zu können, wurde eine repräsentative, aber klare und sachliche Formensprache gefordert.

Professor Stapel gewann den Berliner Graphiker Axel Bengs für die Mitarbeit, der seinerseits mit einer Fülle von Ideenskizzen zur Herausarbeitung der endgültigen Fassung beitrug, die letztlich jedoch die Handschrift Georg Stapels trägt. Das stilisierte Doppelporträt der Brüder Humboldt mit der Umschrift "Humboldt Universität zu Berlin", nebenbei angemerkt: noch jahrzehntelang ohne Bindestrich, wurde dann das bis heute gültige Element des Corporate Design der Humboldt-Universität.

Nach Genehmigung des Entwurfs beauftragte die Humboldt-Universität im Mai 1960 die Staatliche Münze Berlin mit der Anfertigung des Siegels, des Anhängers für die Amtskette des Rektors und von Gedenkmedaillen. Zu den Jubiläumsfeierlichkeiten im November 1960 wurde die neue Rektorenkette erstmals in der Öffentlichkeit getragen.

Lit.: Forschler-Tarrasch, Anne: Ludwig Posch, Berlin, 2002, S. 29; Lenz, Max: Die Geschichte der Königlichen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin. Halle, 1910- 1918, Bd. 1, S. 138f., Bd. 3, S. 216; Rudolf, Kurt : Wandlungen eines Siegels, in: Zeitung "Humboldt-Universität" 15/16-1980/81; Schadow, Johann Gottfried: Kunstwerke und Kunstansichten, Berlin, 1987, S. 183f; Sommer, Klaus: Johann Ludwig Jachtmann, Hofmedailleur in Berlin, in: Numismatisches Nachrichtenblatt Nr. 5, Jahrgang 39, 1990, S. 108ff.); Weigelt, Karl-Heinz; Weigelt, Sieglinde; Weigelt, Gunter: Medaillen aus Meisner Porzellan, 1947 – 1961, Nr. 3090, S. 183
Quelle: UA, Verwaltungsarchiv, lfd. Nr. 3486, Bl. 450, 485, 951