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Die Szepter der Humboldt-Universität zu Berlin

Das Szepterpaar der Humboldt-Universität wurde im letzten Viertel des 14. Jahrhunderts in Prag geschaffen, vermutlich in der von Peter Parler und später von seinen Söhnen geführten Dombauhütte.

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Szepter der Humboldt-Universität zu Berlin, Ende des 14. Jh., Silber, vergoldet,  Höhe: 108 cm

 

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Das Tabernakel eines der Szepter

 

Szepter-Foto-Knauf A 007

 

 

 

 

 

 

Die Unteransicht des Szepterknaufes

 

Allgemeines

Szepter waren an allen Universitäten des Mittelalters üblich, denn sie galten als Symbole der korporativen Selbständigkeit und der eigenen Gerichtsbarkeit der Universität. Sie wurden stets paarweise geschaffen und bei feierlichen Anlässen paarweise mitgeführt. Für den Gebrauch der Universitätsszepter, gab es genaue Vorschriften. So wurden bei Amtshandlungen, Prozessionen und Feiern dem Rektor die Szepter von zwei Gerichtsdienern des Universitätsgerichtes, später von zwei Pedellen, vorangetragen. Schriftliche und bildliche Quellen belegen ebenfalls, dass Szepter von den Pedellen auch zur Herstellung von Ruhe und Ordnung in den Vorlesungen verwendet wurden. Das würde auch erklären, warum in den Akten häufig auf die Reparaturbedürftigkeit der Szepter verwiesen wird. Oftmals besaßen die Universitäten neben dem Universitätsszepterpaar des Rektors Szepter einzelner Fakultäten, die aber zumeist weniger kunstvoll gearbeitet waren.

 

Zur Geschichte

Das Szepterpaar der Humboldt-Universität wurde vermutlich Ende des 14. Jahrhunderts für die Prager Universität geschaffen und beim Auszug der deutschen Professoren und Studenten aus Prag (1409) an die Erfurter  Universität mitgenommen, so Just Christoph Motschmann in seiner „Erfordia Literata I“ (1729, 9, 475). Die Erfurter Universität war bereits im Jahre 1379 auf Vorschlag des Stadtrates von Gegenpapst Clemens VII. gegründet worden und kann daher als älteste deutsche Universität gelten. Ihre Eröffnung verzögerte sich jedoch durch die von König Wenzel durchgesetzte Abkehr des Reiches vom avignonesischen Papst bis 1392, als der in Rom residierende Urban VI. die Gründungsgenehmigung erneuerte.

1412 überreichte Kaiser Sigismund offiziell dem amtierenden Rektor der Erfurter Universität Amplonius Ratingk de Berka das Szepterpaar und es verblieb über vier Jahrhunderte an der Erfurter Universität, bis zu ihrer Auflösung im Jahre 1816.

1818 wurden die Szepter, für die es keinen Rechtsnachfolger gab, vom Preußischen Bildungsministerium der Berliner Universität übereignet. Die Entscheidung für ein Szepterpaar einer alten Universität sollte den Willen der Professoren zum Ausdruck bringen, die Traditionen der alten Universitäten fortzusetzen. An der Berliner Universität ging dem feierlichen Zug von Professoren in Talaren und mit Baretten, an deren Spitze der Rektor schritt, ein Maître de Plaisier voraus. Zeitweise war es auch üblich, dass die Promovenden ihren Eid auf das Szepter der Universität ablegten. Bis 1968 wurde an der Berliner Universität das Vorantragen der Szepter bei universitären Feierlichkeiten gepflegt. Mit der 3. Hochschulreform der DDR trennte man sich vom öffentlichen Tragen von Szeptern und Talaren. Heute gelten die Szepter als museale Kunstgegenstände, die zu den wertvollsten Schätzen der Humboldt-Universität zählen.

 

Die Gestalt der Szepter

Das Szepterpaar ist eine Goldschmiedearbeit aus dem letzten Viertel des 14. Jahrhunderts. Es sind 108 cm lange Stäbe aus Silberblech mit teilweisen Vergoldungen und einer deutlichen Gliederung in Bekrönung, Griff und Schaft. Die gotischen Szepterstäbe weisen typische Motive der Prager Parlerhütte auf, so dass ihre Entstehung in Prag, mindestens jedoch in enger Beziehung zur Prager Dombauhütte, sehr wahrscheinlich erscheint. Die Bekrönung wird von einem gotischen Kapitell getragen. Das Tabernakel stellt ein spätgotisches Kapellchen mit polygonalem Grundriss und zwei Geschossen geschlossener Maßwerkfenster zwischen gotischen Eckpfeilern dar.

So verweist Walter Paatz in seinem Buch „Sceptrum universitatis“ (Heidelberg, 1953, S. 43) auf die Tabernakel der Szepter, deren spätgotische Einzelformen an die Formenwelt der parlerischen Dombauhütte „in einer Fülle und Reinheit, wie auf keiner anderen Goldschmiedearbeit“ erinnern. Danach ist die Versetzung der Maßwerkmotive von den Fensterbögen des zweiten Geschosses auf die Fläche darüber, zwischen den Fensterrahmen und den ganzen Wandabschnitt umschließenden Rechteckrahmen ähnlich denen der großen Maßwerkgalerie des Domturmes, die Peter Parler und seine Söhne Wenzel und Johann (d.J.) von 1392 - 1412 im Winkel zwischen dem südlichen Querschiff und dem Langhaus des Prager Domes errichteten. Außerdem finden sich bei den „Szepterchori“ die „ganz ausgefallenen schweifende Maßwerklinien“ aus Eselsrückenbögen mit Krabben und Kreuzblumen, die von den Eckpfeilern aus jedes obere Fenstergeschoß der Tabernakel umfangen, am Fenster der südlichen Querhausstirn unter dem Mittelpfosten des Prager Veitsdoms wieder.

Der spindelförmige Griff endet in einem großen barocken Knauf in Gestalt einer abgeplatteten, reich ornamentierten und mit einer Maske geschmückten Kugel. Den oberen Abschnitt der Griffpartie bildet ein ebenfalls reich verzierter Knauf mit Posaunen blasenden Engeln. Eine Inschrift am Schaft ist dem 300. Jubiläum der Universität Erfurt gewidmet, eine weitere weist auf die Übernahme des Szepters durch die Berliner Universität hin.

Dr. Angelika Keune