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Porträts

Die an der Universität gesammelten künstlerischen Porträts stellen in der Mehrzahl Professoren dar, die an der Universität forschten und lehrten. Diese Professorenporträts sind als Büsten oder in Öl, als Handzeichnung, als Druckgraphik, oder in Mischtechnik ausgeführt und stehen im engen Kontext zur Wissenschaftsgeschichte der Universität, aber auch zur Berliner bzw. preußischen und deutschen Kunstgeschichte. Diese Vielfalt der künstlerischen Gattungen und Handschriften ist besonders an den Porträts von Alexander und Wilhelm von Humboldtablesbar.

 

Zur Geschichte der Bildnissammlung der Berliner Universität:

Die kontinuierliche Sammlung von Gelehrtenbildnissen begann 1833 mit dem Erwerb der Marmorbüste des bekannten Arztes und Professors der Universität Christian Wilhelm Hufeland, die vom berühmtesten Bildhauer des deutschen Klassizismus und Spätklassizismus Christian Daniel Rauch geschaffen wurde.

Das 1837 von der Universität vorgeschlagene und vom Minister für geistliche, Unterrichts- und Medicinal-Angelegenheiten genehmigte Statut regelte das Prozedere der Anschaffung von Marmorbüsten und anderen Professorenporträts. Seitdem wurden regelmäßig Wissenschaftler der Universität, die auf ihrem Forschungsgebiet Hervorragendes geleistet hatten, nach ihrem Tode durch die Aufstellung einer Marmorbüste in der Aula der Universität geehrt.

Kunsthistorisch war dies die Zeit des Spätklassizismus, in der der Skulptur ein besonders hoher Rang in der Kunsthierarchie eingeräumt wurde. Theoretischer Vorbereiter dieser Entwicklung war insbesondere der Philosoph G. W. F. Hegel, aber auch der Philosoph Karl Solger oder der Professor für Kunst und Archäologie Alois Hirt, die wie Hegel an der Berliner Universität lehrten und mit ihren wissenschaftlichen Arbeiten diesen Prozess beförderten. Nachdrücklich unterstützt wurden sie von Wilhelm von Humboldt und seiner Frau Caroline von Humboldt, die nicht nur Rauch, sondern weitere klassizistische Bildhauer förderten, indem sie ihre Kunst ankauften und publik machten. Sie alle sahen in der Büste das Ideal der antiken Schönheit und Zeitlosigkeit manifestiert.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich ein neuer Bildhauerstil, der sich konsequent an der Realität orientierte und somit realistische, mitunter auch naturalistische Porträts schuf. Der Protagonist dieses als Berliner Neubarock bezeichneten Stiles war der Rauch-Schüler Reinhold Begas, Schöpfer des Denkmals für Alexander von Humboldt vor der Universität. Die Zeit der Büsten- und Skulptureneuphorie mündete am Ende des 19. Jahrhunderts in eine Zeit der Büstenflut. In jedem gutsituierten Bürgerzimmer wurde es üblich, plastischen Schmuck und Büsten aufzustellen, so auch in der Aula der Universität. Bis zum Ende der zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts befanden sich über 100 Marmorbüsten im Hauptgebäude und in den Instituten der Universität, einschließlich der Medizinischen Fakultät. Heute besitzt die Universität 171, davon stehen 54 in der Charité.

Das Statut regulierte weiterhin, dass eine Sammlung von Bildnissen aller Professoren der Universität, der bereits verstorbenen ebenso wie der amtierenden und zu berufenen, angelegt wird, seien es Kupferstiche, Lithographien oder Zeichnungen, um das Abbild des Wissenschaftlers der Nachwelt zu überliefern und seine Verdienste um die Wissenschaft zu würdigen. Dennoch ist die Sammlung bis heute nicht vollständig, da die Aufforderung an die Wissenschaftler, ein Bildnis- bzw. später eine Fotografie abzugeben, stets freiwillig war. Bis zum Beginn der dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts befand sich die Sammlung im Senatszimmer der Universität. Danach wurde der größte Teil der graphischen Abbildungen und die bereits gesammelten fotografischen Bildnisse der Universitätsbibliothek zugeordnet.

Dr. Angelika Keune