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Die Preismedaillen der Berliner Universität

Jedes Jahr am 3. August führte die Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität eine Gedächtnisfeier für ihren Stifter, Friedrich Wilhelm den III., durch. Nach einer Rede des jeweiligen Rektors wurden in feierlicher Form Studenten gewürdigt, die eine der im Jahr zuvor gestellten wissenschaftlichen Forschungsaufgaben erfolgreich gelöst hatten. Seit 1825 wurden jährlich von den Ordinarien der Theologischen, Juristischen und Medizinischen Fakultät jeweils eine und von denen der Philosophischen Fakultät zwei Preisfragen gestellt. Alle immatrikulierten Studenten der Universität konnten sich mit den gestellten Aufgaben befassen und vor Ablauf von 9 Monaten ihre Ergebnisse anonym einreichen. Die Arbeiten waren mit einem Motto versehen und wurden in dieser Anonymität auch von den Ordinarien der jeweiligen Fakultät begutachtet. Dieses Verfahren wahrte einerseits die Anonymität des Autors, von dem keiner wußte, wieviele Semester er bereits studiert hatte und von welcher Fakultät er war. Andererseits führte wohl auch die gemeinsame Festlegung der Themen durch die Ordinarien sowie die Durchsicht der eingereichten Arbeiten durch alle Ordinarien der jeweiligen Fakultät zu einer Anwendung gleicher Wertmaßstäbe und somit zu einer objektivierten gerechten Bewertung der erbrachten Leistungen. Im Rahmen der Gedächtnisfeier am 3. August wurden die Gutachten zu allen eingereichten Arbeiten vorgetragen. Negativ beurteilte Arbeiten verblieben in ihrer Anonymität. Nur von Arbeiten, die der Auszeichnung mit dem Königlichen Preis für würdig befunden worden waren, wurden die Autoren namhaft gemacht. Die Autoren einer derart gewürdigten Preisschrift erhielten dann entweder eine goldene Gedenkmünze oder aber den entsprechenden Geldbetrag von 253 Mark und eine bronzene Gedenkmünze. Mehrere Kriege und auch die Zeit der Inflation haben dazu geführt, dass solche Gedenkmünzen sicher nur noch in einer verschwindend kleinen Zahl erhalten geblieben sind.

Dr. Winfried Schultze, Leiter des Universitätsarchivs