stage
Anmelden
Hier geht es zu Ihrem Primuskonto ...
 

Clara Strack

Clara Strack hatte die bereits im Jahre 1911 gestellte, aber nicht bearbeitete und somit 1912 wiederholte Aufgabe bearbeitet:

"Der Ursprung und das sachliche Verhältnis von Leibnizens sogenannter Monadologie und der Principes de la nature et de la grâce. Wünschenswert, aber nicht erforderlich, ist eine Revision der Manuskripte zu beiden Abhandlungen sowie eine auf das Wesentliche beschränkte Charakteristik ihres sachlichen Verhältnisses zu dem Discours de metaphysique und dem Systéme nouveau de la nature von 1695."

Clara Strack, geboren am 6. August 1872 in Budapest, war Tochter eines Ingenieurs und absolvierte nach dem Besuch der höheren Mädchenschule in Weißenfels die Ausbildung an der Königlichen Erziehungs- und Bildungsanstalt zu Droyssig. Dort legte sie die Prüfung für die Befähigung zum Unterricht an höheren und mittleren Mädchenschulen ab. Ab 1902 ordentliche Lehrerin an der Victoria-Luisenschule (Lyzeum) in Berlin-Wilmersdorf, erwarb sie am 6. September 1907 am Friedrichs Realgymnasium in Berlin das Zeugnis der Reife und schrieb sich im Herbst 1907 als Gasthörerin an unserer Universität ein. Zehn Semester lang, vom Wintersemester 1907/1908 bis zum Ende des Sommersemesters 1912, hörte sie Vorlesungen in Deutsch, Geschichte und Philosophie, um die Staatsprüfung zu absolvieren.

Ein Zeugnis ihrer Beteiligung an Vorlesungen und Seminaren existiert nicht. Vorhanden sind jedoch das vom Ordinarius für Philosophie Benno Erdmann verfaßte und von den beiden anderen ordentlichen Professoren für Philosophie, Alois Riehl und Karl Stumpf, bestätigte Gutachten über die von Clara Strack eingereichte Preisschrift sowie die Unterlagen des daraus resultierenden Promotionsverfahrens. Das Gutachten zur Preisschrift lautet:

"Die eingereichte Arbeit mit dem Motto: 'Die Zweige, die ich in Gedanken flocht, sie haben schon ein würdig Haupt gefunden' entspricht zwar der gestellten Aufgabe nicht vollständig, da das sachliche Verhältnis der beiden Abhandlungen von Leibniz nur kurz charakterisiert, nicht genauer ausgeführt ist, auch Disposition und Darstellung unter der offenbaren Eile der Redaktion des Ganzen gelitten hat. Aber die Untersuchung des Ursprungs der Abhandlungen und die nur als wünschenswert bezeichnete Textrevision auf Grund einer Kollation der vorhandenen Manuskripte verdient volle Anerkennung. Die historische Untersuchung ist auf einem unerwartet reichen, weitverstreuten und, wie die beigelegten Materialsammlungen und die zahlreichen Manuskriptphotographien erkennen lassen, unter voller Beherrschung der historisch-diplomatischen Hilfsmittel auf das sorgsamste durchgearbeiteten Material aufgebaut. Sie hat die bisher völlig dunkle Geschichte der ersten Drucklegungen überraschend und im Wesentlichen definitiv aufgeklärt. Nicht minder sorgsam ist die minutiöse Kollation der Manuskripte für die Abhandlungen, die einen ersten zureichenden Druck ermöglicht. Es ist der Fakultät eine Freude, der ebenso erfolgreich wie mühsam und umfassenden Arbeit den vollen Preis zuerkennen zu dürfen."

Wolf Wilhelm Graf von Baudissin, Professor für Altes Testament und im Jahre 1912/1913 Rektor der Universität, fügte der Vorlesung dieses Gutachten noch folgende Erklärung an:

"Frl. Strack ist Lehrerin; als solche konnte sie nicht immatrikuliert werden. Sie studiert auf Grund eines Reifezeugnisses als Gasthörerin Philosophie, Geschichte und deutsche Philologie. Zur Preisbewerbung war sie hiernach nicht berechtigt; doch ist ihr mit besonderer Genehmigung des Herrn Minissters der geistlichen und Unterrichts-Angelegenheiten ausnahmsweise und ohne daß ein Vorgang für andere begründet werden soll, der Preis ausgehändigt worden."

Clara Strack setzte ihr Studium als Gasthörerin weiter fort und meldete sich mit der überarbeiteten ausgezeichneten Preisschrift am 17. Juni 1914 zur Promotion. Am 30. Juli 1914 wurde sie von den Professoren Benno Erdmann und Alois Riehl im Hauptfach Philosophie, von Otto Hintze in Geschichte und von Maximilian Rödiger in Germanistik geprüft. Ihre Promotion durch die Philosophische Fakultät erfolgte am 2. Juni 1915. Diese goldene Gedenkmünze besitzt noch einen weiteren besonderen Stellenwert, handelt es sich doch um die seltene Auszeichnung einer Studentin. Nachdem bereits Elsbeth Schwenke für die Lösung einer historischen Aufgabe im Jahre 1910, Lea Timm für die Lösung einer medizinischen Aufgabe im Jahre 1911 und Antonie Täuber für die Lösung einer geologischen Aufgabe ebenfalls im Jahre 1911 geehrt worden waren, erhielt am 3. August 1913 Clara Strack für die Lösung einer philosophischen Aufgabe den königlichen Preis.

Dr. Winfried Schultze, Leiter des Universitätsarchivs