Bibliotheksglossar

Mit Dank entnommen dem "Glossar zu Begriffen der Informationskompetenz" der Universitätsbibliothek Kaiserslautern und ergänzt bzw. angepasst durch die Webredaktion.

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 Sachschlagwort
Schlagwort zur Beschreibung der Sachverhalte, die Inhalt einer Veröffentlichung sind.
 
Bei der inhaltlichen Beschreibung einer Publikation lassen sich verschiedene Aspekte unterscheiden, die jeweils mit einem bestimmten Typ von Schlagwort beschrieben werden. Neben den Sachschlagwörtern, die sich auf konkrete oder abstrakte Sachverhalte beziehen, sind Personenschlagwörter, Zeitschlagwörter und geographische Schlagwörter üblich.
 
Beispiel:
Lexikon der österreichischen Spanienkämpfer 1936 - 1939 / Hans Landauer. 2., erw. und verb. Aufl., Wien : Theodor-Kramer-Ges., 2008.
 
Schlagwortkette: 
|g|Österreicher ; |s|Spanischer Bürgerkrieg ; |z|Geschichte ; |f|Wörterbuch
 
Das einzige Sachschlagwort lautet "Spanischer Bürgerkrieg". Die übrigen Schlagwörter beziehen sich auf geographische, zeitliche und formale Aspekte.
 Sammelwerk
Gedruckte Publikation mit in sich abgeschlossenen Beiträgen mehrerer Autoren, die sich auf das Thema bzw. den Titel des Sammelwerkes beziehen. 
 
Typische Sammelwerke sind z. B. Handbücher, Enzyklopädien, Kongress- und Festschriften. Merkmal von Sammelwerken ist die Angabe eines oder mehrerer Herausgeber, die die Beiträge thematisch aufeinander abgestimmt haben.
 Schlagwort
Begriff, der den Inhalt eines Dokuments auf der Grundlage eines normierten Begriffsverzeichnisses beschreibt. 
 
Schlagwörter werden auf der Grundlage einer Inhaltsanalyse von Fachleuten unter Einhaltung vereinbarter Regeln (z. B. RSWK = Regeln für den Schlagwortkatalog) vergeben. 
Schlagwörter bieten die Möglichkeit zur Durchführung systematischer Recherchen zu einem Thema, z. B. in einem Bibliothekskatalog oder einer bibliografischen Datenbank.
 
Schlagwörter müssen nicht im Dokument selbst vorkommen und unterscheiden sich deshalb häufig von Stichwörtern.
 Schlagwortindex
Auflistung von Schlagwortbegriffen in einer alphabetischen Reihenfolge.
 
Der Schlagwortindex erleichtert die Ermittlung relevanter Schlagwörter in einer Datenbank oder einem Online-Katalog.
 Schlagwortkatalog
Sachkatalog, in dem die Medienbestände einer Bibliothek nach Schlagwort oder Schlagwortketten erfasst und nachgewiesen sind.
 Sekundärliteratur
Publikationen, die Originalliteratur bzw. Primärliteratur und andere Dokumente, z. B. Romane, Forschungsergebnisse, Gesetze, zum Gegenstand haben.
 Selbständig erschienene Literatur
Publikationen, die inhaltlich  und physisch, z. B. als Buch, eine abgeschlosse Einheit bilden. 
 
Sie sind nicht  in eine andere Publikation, wie Zeitschrift oder Sammelwerk, eingebunden.
 
In Bibliothekskatalogen kann i. d. R. nur selbständig erschienene Literatur gefunden werden.
 Selective Dissemination of Information
Personalisierte Dienstleistung von Bibliotheken, Verlagen, Internetportalen etc.
Bei der persönlichen Anmeldung im elektronischen Angebot des entsprechenden Dienstleisters können Kunden ihre Interessengebiete näher eingrenzen und werden in der Folge automatisch per Mail über Veränderungen auf diesen Gebieten benachrichtigt.
Profildienste können sich auf verschiedenste Arten elektronisch verfügbarer Information beziehen, z.B. vorher formulierte Suchanfragen, neu erscheinende Artikel oder Zeitschriftenhefte, Newsgroups etc.
 Semesterapparat
Zusammenstellung zumeist von Grundlagenliteratur zu einer Semesterveranstaltung. 
 
Neben gedruckter Literatur kann ein Semesterapparat auch elektronische Literatur beinhalten, die dann i. d. R. auf einer Lernplattform angeboten wird.
 Sigel
Abkürzung oder Zahlencode, die für eine bestimmte  Bibliothek stehen.
 
Mit Bibliothekssigeln wird in Katalogen gearbeitet, an denen mehrere Bibliotheken beteiligt sind (Verbundkatalog). Durch das Sigel wird eindeutig ausgedrückt, welche Bibliothek ein bestimmtes Medium zur Verfügung stellen kann. Diese Information bildet die Voraussetzung für die Fernleihe an deutschen Bibliotheken.
 
Beispiel: Die Sigel aller deutschen Bibliotheken kann man über das Sigelverzeichnis online recherchieren: http://dispatch.opac.ddb.de/DB=1.1/LNG=DU/SID=5ddcac1b-ba/SRT=YOP/DB=1.2/
 Sigle
Verkürzte Form eines Wortes oder einer Wortgruppe.
 
In der Fachliteratur und in vielen Bibliografien und  bibliografischen Datenbanken werden Abkürzungen für häufig vorkommende Wörter verwendet, insbesondere für Zeitschriftentitel oder Institutionen. I. d. R. werden sie in Abkürzungsverzeichnissen oder -indices aufgelöst. Da die Abkürzungen nicht in allen Quellen gleich sein müssen, empfiehlt es sich, für die eigene Recherche nicht die Abkürzungen, sondern die aufgelöste Form zu verwenden.
 
Beispiel: ZRP steht für die *Zeitschrift für Rechtspolitik* in der Elektronischen Zeitschriftenbibliothek.
 
In der MLA International Bibliography ist mit der gleichen Abkürzung die *Zeitschrift für romanische Philologie* gemeint.
 Signatur
Zeichenfolge bestehend aus Zahlen und Buchstaben, die die Grundlage für die Aufstellung von Büchern und Zeitschriften bildet. 
 
Die Zeichenfolge wird nach einem Regelsystem z. B. RVK oder Numerus Currens individuell für ein jedes Buch oder Zeitschrift vergeben.
Signaturen müssen über Kataloge ermittelt werden und führen zu den jeweils gesuchten Medien im Bestand einer Bibliothek.
 Social Cataloging
Gemeinschaftliches Katalogisieren mit webbasierten Literaturverwaltungsprogrammen, die im Internet kostenlos zur Verfügung stehen.
 
Angemeldete Nutzer können Literaturhinweise sammeln, verwalten und mit anderen Nutzern teilen. Durch automatische Verknüpfungen von gleichen Einträgen verschiedener Nutzer erhalten sie Einblick in die Literaturlisten anderer, die u. U. zum gleichen Thema arbeiten.
Zu den am weitesten verbreiteten Systemen zur gemeinschaftlichen webbasierten Literaturverwaltung zählen BibSonomy, LibraryThing, CiteULike und Connotea. Einige Online-Kataloge bieten einen automatischen Export in Social Cataloging-Dienste an.
 Sondersammelgebietsbibliothek
Wissenschaftliche Bibliothek, die zu einem oder mehreren Fachgebieten, möglichst vollständig,  deutsche und internationale Publikationen erwirbt und erschließt. 
 
Das Angebot umfasst neben gedruckten zunehmend auch elektronische Publikationen und Datenbanken. 
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) unterstützt  die Sondersammelgebietsbibliotheken (SSG) mit besonderen Mitteln. Die SSG-Bibliotheken sollen für ihre Fächer die umfassende Versorgung mit Fachliteratur bundesweit über die Fernleihe und Dokumentlieferdienste gewährleisten.
 
Die SSG-Bibliotheken sind auch maßgeblich verantwortlich für den Aufbau und die Weiterentwicklung der virtuellen Fachbibliotheken (ViFas) bzw. Fachportale.
 Sortierkriterium
Merkmale inhaltlicher oder formaler Art, nach denen die Treffer bei einer Recherche in einem Online-Katalog oder einer Datenbank angezeigt werden. 
 
Die geläufigen formalen Sortierkriterien sind die nummerische Ordnung nach dem Erscheinungsjahr und die alphabetische Ordnung nach dem Verfassernamen. Von einigen Suchmaschinen werden allerdings auch Sortierkriterien verwendet, die auf einer komplexen Verknüpfung inhaltlicher Merkmale basieren.
 Soziale Software
Sammelbegriff für eine Reihe interaktiver und kollaborativer Elemente des Internets, die eine neue Generation des Internets und seiner Nutzung markieren. 
 
Typische Web 2.0-Anwendungen sind Wikis, Weblogs, soziale Netzwerke, Social Bookmarking-Dienste, u.ä. Ihnen ist gemein, dass die Inhalte vorwiegend von den Nutzern selbst erstellt und verbreitet werden. Daher bezeichnet man diese Dienste oft auch als soziale Software.
 Standort
Die Universitätsbibliothek ist eine Bibliothekseinheit mit verschiedenen geographischen Standorten, die sich meist in der Nähe der Institute der HU befinden.
Nicht zu verwechseln mit Buchstandort
 Standortkatalog
Gedruckter Katalog, der die Medien in der gleichen Reihenfolge aufführt, in der sie an den Standorten (z. B. Bücherregale) aufgestellt sind. 
 
Der Standortkatalog ist ein "Spiegelbild" der Bestandsaufstellung. Wenn die Medien nach einer Systematik aufgestellt sind, ist es gleichzeitig ein standortgebundener Systematischer Katalog.
 Statistische Datenbank
Datenbank, in der statistische Fakten (Faktendatenbank) systematisch gesammelt und zugänglich gemacht werden. 
 
Es handelt sich um elektronische Sammlungen von Originaldaten z. B. des statistischen Bundesamtes. Sie bilden die Grundlage für weitere empirische Auswertungen.
 
Beispiel: Datenbank des Statistischen Bundesamtes "GENESIS-Online - Das statistische Informationssystem"
 Stichwort
Begriffe, die in der bibliografischen oder inhaltlichen Beschreibung eines Dokumentes vorkommen. 
 
Stichwörter können nur entsprechend ihrer grammatischen Form, z. B. Genitiv, Plural, in der Vorlage gesucht werden. 
Eine Stichwortrecherche eignet sich als erster Schritt in einer Suchstrategie. Hier kann es sinnvoll sein, Platzhalter als Suchinstrument zu nutzen.
 Stoffdaten
Texte und Grafiken, mit denen Eigenschaften und Werte chemisch hergestellter oder natürlich vorkommender Stoffe beschrieben werden. 
 
Die Recherche nach solchen Daten gestaltet sich häufig sehr schwierig, da Stoffdaten in Aufsätzen selten indexiert bzw. suchbar gemacht werden. Nachschlagewerke und Datensammlungen, wie Landolt-Börnstein und Beilstein erleichtern die Suche nach Stoffdaten.
 Stoppwort
Wörter, die bei einer Suche in manchen Datenbanken und Online-Katalogen nicht berücksichtigt werden, da sie häufig vorkommen und für den Dokumentinhalt meist nicht relevant sind. Daher sollten sie bei Suchanfragen nicht eingegeben werden.
 
Hierzu zählen Artikel (z.B. der, die, das),   Konjunktionen (und, oder) und  Präpositionen (in, im ).
 Suchanfrage
Abfrage in einem Online-Katalog, einer Datenbank oder  einer Suchmaschine, die mit dem ?Start-? oder ?Suche-Button? ausgelöst wird. 
 
Dabei wird in einer Datenbank nach Datensätzen bzw. Informationen gesucht, die die bei der Suchanfrage eingegebenen Suchbegriffe enthalten bzw. der Verknüpfung von Suchbegriffen mittels Operatoren entsprechen.
 Suchbegriff
Wörter oder Zeichenfolgen, nach denen in einer Datenbank, einem Bibliothekskatalog  oder einer Suchmaschine gesucht wird. 
 
Dokumente bzw. Referenzinformationen, in denen die gesuchten Wörter oder Zeichen vorkommen, werden mit der Trefferanzeige ausgegeben. Die Suchbegriffe können auf bestimmte Suchkategorien beschränkt und mit Operatoren verknüpft werden.
 Suchergebnisbewertung
Prüfung des Suchergebnisses auf seine Güte.
 
Neben der Vollständigkeit (Recall) und Genauigkeit (Precision) des Suchergebnisses kann der Fall-Out, ein Maß zur Häufigkeit von irrelevanten Dokumenten in der Treffermenge, herangezogen werden.
 Suchfeld
Bereich einer Suchoberfläche, in dem die Suchbegriffe eingeben werden können. Die Suchfelder können meist auf bestimmte Suchkategorien, wie z.B. Titelstichwort, Autor, Schlagwort eingeschränkt werden.
 Suchinstrument
Programmierte Funktionen  bei elektronischen Bibliothekskatalogen, Datenbanken oder Suchmaschinen, die die Suche nach enthaltenen Informationen erleichtern. 
 
Zu den Suchinstrumenten zählen Indizes, Boolesche Operatoren, Nachbarschaftsoperatoren, Platzhalter, Suchkategorien und Thesauri. Der Umfang und die Gestaltung der angebotenen Suchinstrumente  sind von zentraler Bedeutung für eine effiziente Nutzbarkeit von Informationssystemen.
 Suchmaschine
Programme, die das Internet durchsuchen und die dort gefundenen Dokumente bzw. Seiten durch Indizierung und Speicherung als  Referenzinformation in einer Datenbanken  suchbar machen.  
 
Eine Sondergruppe der Suchmaschinen sind  Metasuchmaschinen, die über keine eigene Datenbank verfügen, sondern eine Suchanfrage an mehrere andere Suchmaschinen absenden. Daneben gibt es Suchmaschinen, die ihre Suche auf bestimmte z. B. fachwissenschaftliche Internetangebote beschränken. 
 
Suchmaschinen sind besonders für schnelle, punktuelle Informationen, z. B. Suche nach einer Adresse, geeignet.
 
Beispiel: Bielefeld Academic Search Engine:
http://www.base-search.net/
 
Metasuchmaschine Vivisimo (mit thematischer Gruppierung der Ergebnisse):
http://de.vivisimo.com/
 Suchmaske
Gestaltete Seite eines Katalogs, einer Datenbank oder einer Suchmaschine mit Feldern zur Eingabe und Verknüpfung von Suchbegriffen. 
 
Die Suchmasken der Datenbanken, Kataloge und Suchmaschine können sehr unterschiedlich gestaltet sein. Viele Systeme bieten unterschiedliche Suchmasken, z.B. der Basic Search für einfache Suchanfragen und Fortgeschrittenensuche für komplexe Suchanfragen über mehrere Suchkategorien.
 Suchportal
Zusammenfassung unterschiedlicher Informationsangebote, in denen mit einer Suchanfrage gleichzeitig eine Recherche durchgeführt wird.  
 
Das Suchportal ermöglicht z. B. die gleichzeitige Suche in unterschiedlichen Bibliothekskatalogen und  Datenbanken. Im Anschluss an die Suche kann über eine Verfügbarkeitsrecherche ermittelt werden, ob eine ermitteltes Dokument online verfügbar ist, sich im Bestand Ihrer Bibliothek befindet, per Fernleihe bestellt oder über den Internetbuchhandel erworben werden kann.
 
Beispiel: Digitale Bibliothek NRW
Digitale Bibliothek Darmstadt