Bibliotheksglossar

Mit Dank entnommen dem "Glossar zu Begriffen der Informationskompetenz" der Universitätsbibliothek Kaiserslautern und ergänzt bzw. angepasst durch die Webredaktion.

 Fachbereichsbibliothek
Bibliothek, die in einem Bibliothekssystem Medien für einen bestimmten Fachbereich bereitstellt.
Fachbereichsbibliotheken sind häufig als  Freihandbibliotheken und  Präsenzbibliotheken organisiert.
 Fachbibliografie
Bibliografie, die die Publikationen eines bestimmten Faches oder Wissenschaftsgebietes umfassend nachweist.
Fachbibliografien verzeichnen i. d. R. Aufsätze wie auch Monografien zum Fachgebiet. Zunehmend werden Fachbibliografien auch in Form von bibliografischen Datenbanken publiziert.
Beispiel: Klapp, Otto: Bibliographie der französischen Literaturwissenschaft. Ab Bd. 25 hg. von Astrid Klapp-Lehmann. Frankfurt/Main 1956 ff.
 Fachdatenbank
Datenbank, die Literatur oder fachspezifische Informationen zu einem Wissenschaftsgebiet nachweist.
 
Nach Art der gespeicherten Information unterscheidet man: Bibliografische Datenbanken, Faktendatenbanken, Volltextdatenbanken sowie Current-Contents-Dienste.
 
Beispiel: Der Beilstein, eine Faktendatenbank für organische Chemie, verzeichnet u. a. rund 9,5 Millionen Strukturen chemischer Verbindungen.
Die MLA International Bibliography ist eine bibliografische Datenbank, die Literaturhinweise aus dem Gebiet der modernen Philologien verzeichnet.
 Fachinformationszentrum
Einrichtung des Bibliotheks-, Informations- und Dokumentationsbereichs, dessen Aufgabe die Produktion von qualitativ hochwertigen Fachinformationen ist. Diese werden in Datenbanken und weiteren Informationsprodukten angeboten. Die Fachinformationszentren verstehen sich als Dienstleister und Servicepartner für das Informationsmanagement und den Wissenstransfer in Wissenschaft und Wirtschaft.
Fachinformationszentren gehören dem öffentlichen oder organisierten Informationssektor an und sind zumeist aus dem Programm der Bundesregierung zur Förderung der Information und Dokumentation (IuD-Programm) 1974 - 1977 hervorgegangen. Zum Teil werden diese Einrichtungen bis heute staatlich finanziert oder gefördert. Ihre Informationsangebote finden sich fachübergreifend integriert im deutschen Wissenschaftsportal Vascoda.
Beispiel: FIZ Technik (Frankfurt): http://www.fiz-technik.de/
 Fachklassifikation
Ordnungssystem, das für die inhaltliche Erschließung von Medien verwendet wird.
Dabei werden die wissenschaftlichen Disziplinen in Klassen unterteilt, und innerhalb der gleichen Disziplin werden Unterklassen für einzelne Themenbereiche gebildet. Zur Darstellung der Klassen werden Systemstellen (=Notationen) verwendet: Medien zur gleichen Thematik werden der gleichen Notation zugeordnet.
Klassifikationen werden bei der Erstellung von Bibliografien und Katalogen eingesetzt, aber auch zur fachlich und thematisch sortierten Aufstellung von Medien in Bibliotheken. Diese Vorgehensweise ermöglicht das fachlich-thematische Browsen entlang von Bibliotheksregalen; in Online-Katalogen kann mit Hilfe der Notation zielgerichtet die Literatur zu einem bestimmten Thema gesucht werden.
Siehe auch RVK (Regensburger Verbundklassifikation)
Siehe auch GHBS (Gesamthochschulbibliothekssystematik)
 Fachportal
Internetportal mit Fachinformationen und elektronischen Ressourcen zu einem bestimmten Wissenschaftsgebiet.

Fachportale werden von wissenschaftlichen Instituten, Fachverbänden, Forschungsgesellschaften oder ähnlichen Fachinstitutionen bzw. professionellen Informationsanbietern aufgebaut und gepflegt.
Diese Portale bieten i. d. R. Ressourcen mit hohem Qualitätsstandard und empfehlen sich besonders für die Suche nach fachspezifischen Informationen und wissenschaftlich fundierter Literatur im Internet.
Im Einzelnen können u. a. folgende Dienste zur Verfügung stehen:

- Metasuche in unterschiedlichen Informationsmitteln, wie Online-Katalogen und bibliografischen Datenbanken
- Mailinglisten und Diskussionsforen
- thematisch strukturierte Linksammlungen
- Alerting-Dienste
- Informationen über wissenschaftliche Veranstaltungen, Stipendien, Stellenausschreibungen u. v. m.
 Fachreferat
Organisatorische Einheit an wissenschaftlichen Bibliotheken, die für Aufbau, Erschließung und Vermittlung des Bestands von einem oder mehreren Fachgebieten zuständig ist.
Fachreferate werden von Fachreferenten betreut, die durch ihr Universitätsstudium über wissenschaftliche Kenntnisse in dem Fach bzw. in benachbarten Disziplinen verfügen.
Schwerpunkte der Fachreferatsarbeit sind die Auswahl der zu erwerbenden Fachliteratur, die inhaltliche Erschließung der Bestände, deren Aufbau und Pflege, die Beratung von Studierenden und Forschenden bei Anfragen zur Literatursuche sowie die Vermittlung von Informationskompetenz im Rahmen fachspezifischer Schulungsveranstaltungen.
 Fachsystematik
System zur Einteilung eines Wissensgebiets in Haupt- und Untergruppen.
Fachsystematiken geben in Fachbibliografien die Abfolge der Einträge vor. Bei systematischer Freihandaufstellung bestimmen sie die räumliche Anordnung der Medien.
Die Haupt- und Untergruppen von Fachsystematiken werden i. d. R. durch eine Buchstaben-Zahlen-Kombination (Notation) ausgedrückt. Bei frei zugänglich aufgestellter Literatur ist die Notation ein Bestandteil der Signatur und ermöglicht ein fachlich-thematisches Browsen entlang von Bibliotheksregalen sowie die thematische Literatursuche im Online-Katalog. Mit Hilfe des Sachregisters kann man feststellen, an welcher Stelle innerhalb der Fachsystematik ein bestimmter Begriff eingeordnet ist.
 Fachzeitschrift
Zeitschrift, in der Aufsätze zu einem bestimmten Wissenschaftsgebiet publiziert werden.
Beispiel: *Nature*
*Romanistische Zeitschrift für Literaturgeschichte*
 Faksimile
(lat. = mache es ähnlich)
Wiedergabe eines Originals (z. B. Bild, Handschrift) mit allen ihm eigenen Merkmalen.
Bei der Faksimilierung werden auch evtl. Beschmutzungen oder sonstige Gebrauchsspuren des Originals wiedergegeben, so dass das Faksimile vom Original oft nur schwer zu unterscheiden ist.
Befindet sich im Bestand der Bibliothek ein Faksimile, so ist das Original aus konservatorischen Gründen vielfach von der Benutzung ausgeschlossen.
 Faktendatenbank
Datenbank, die statistische und nummerische Daten (Zeitreihen, Bestandszahlen), Angaben mit Eigenschaften chemischer oder physikalischer Einheiten, betriebliche Daten, Marktinformationen, Wirtschafts- und Wissenschaftsinformationen, o. ä. enthält.
Im Gegensatz zu bibliografischen Datenbanken, die sich auf die Verzeichnung von Literaturangaben beschränken, geben Faktendatenbanken die benötigten Informationen direkt und unmittelbar wieder.
Beispiel: Der Beilstein, eine Faktendatenbank für organische Chemie, verzeichnet u. a. rund 9,5 Millionen Strukturen chemischer Verbindungen.
 Fernleihe
Dienstleistung von Bibliotheken, um am Ort nicht verhandene Medien im Rahmen des Leihverkehrs aus anderen Bibliotheken zu besorgen.
Bei der Online-Fernleihe werden diese Bestellungen auf elektronischem Weg an andere Bibliotheken geschickt. Eine schnellere, aber kostenintensivere Alternative zur traditionellen Fernleihe bieten Dokumentlieferdienste, die gegen Entgelt direkt an den Endnutzer liefern.
 Festschrift
Publikation aus festlichem Anlass.
Im Bibliothekswesen herrscht der akademische Begriffsgebrauch vor, der als Festschrift die einem Gelehrten gewidmete Sammlung von Aufsätzen ansieht. Die Beiträge einer Festschrift werden meist von Schülern, Freunden oder Fachkollegen zu einem runden Geburtstag des Geehrten verfasst.
Festschriften enthalten zudem oft eine Literaturzusammenstellung der Schriften des Gefeierten und stellen daher eine wichtige bibliografische Quelle dar.
Beispiel: Lateinamerika : Orte und Ordnungen des Wissens ; Festschrift für Birgit Scharlau / Sabine Hofmann ... (Hrsg.). - Tübingen : Narr, 2004. - 259 S. : Ill.; (dt., span.) ISBN 3-8233-6052-3
 Formale Suche
Suchanfrage in Online-Katalogen und Datenbanken nach formalen Kriterien. Dies ist immer dann der Fall, wenn man  mit formalen Angaben wie z. B. Verfasser, Titel, Erscheinungsjahr, Verlag, nach bereits bekannten Medien suchen möchte.
Bei der formalen Suche in Online-Katalogen empfiehlt es sich, die Eingabe auf wenige und wesentliche Suchbegriffe einzuschränken. I. d. R. genügen der Nachname eines Verfassers und ein oder zwei Stichwörter aus dem Titel.
 Formalkatalog
Bibliothekskatalog, in dem die aufgeführten Medien alphabetisch geordnet sind.
Primäres Ordnungskriterium ist meist der Nachname des Verfassers oder der Anfang des Titels.
Der Begriff bezieht sich i. d. R. auf gedruckte Bibliothekskataloge, die vielfach auch als Mikrofiche-Kataloge oder Imagekataloge vorliegen. Bei Online-Katalogen spielt das Ordnungsprinzip keine Rolle, da nach beliebigen Kriterien gesucht werden kann.
 Formalschlagwort
Schlagwort zur Beschreibung der formalen bzw. physischen Form einer Veröffentlichung.
Ein Blick auf das Formschlagwort gibt Auskunft darüber, ob es sich bei der angezeigten Publikation um eine Bibliografie, einen Bildband, eine Quelle, eine Aufsatzsammlung o. ä. handelt.
Beispiel:
z.B. Bibliografie, Bildband, Quelle, Aufsatzsammlung, Karte, etc.
Die Geschichte der Zeichnung : von den Ursprüngen bis heute / Terisio Pignatti. [Red.: Astrid C. Huth ...]. - Stuttgart : Belser, 2005. - 359 S. : überw. Ill.; (ger) ISBN 3-7630-2451-4
Original: Disegno - Da Altamira a Picasso
Schlagwortketten:
>> s.Zeichnung / z.Geschichte / f.Bildband
 Forschungsbericht
Publikation, die Ergebnisse, Stand oder Fortschritte von Forschungsvorhaben darstellt.
Hierbei kann es sich um einzelne Projekte, Verbundprojekte oder die gesamten Forschungsaktivitäten einer Hochschule handeln. Forschungsberichte sind nicht im Buchhandel erhältlich und gehören daher zur Grauen Literatur.
 Fortschrittsbericht
Wissenschaftliche Aufsätze, die über aktuelle Publikationen und Forschungsergebnisse, fokussiert auf ein Thema, wertend berichten.
Viele Fachzeitschriften enthalten solche Reviewartikel. Daneben gibt es bei einigen Fächern auch spezielle Reviewzeitschriften.
Sie eignen sich insbesondere zur Erarbeitung des aktuellen Forschungsstands.
 Freihandaufstellung
Frei zugänglich aufgestellte Bestände einer Bibliothek.
Die Aufstellung erfolgt i. d. R. in sachlicher Ordnung (systematische Freihandaufstellung), was ein thematisches Browsing am Regal ermöglicht.
 Freihandbibliothek
Bibliothek, deren Medien frei zugänglich aufgestellt sind.
 Freihandmagazin
Bücherdepot einer Bibliothek, das für Bibliotheksnutzerinnen und -nutzer zugänglich ist.
Im Gegensatz zu Literaturbeständen in Freihandaufstellung, die i. d. R. systematisch aufgestellt sind, erfolgt die Anordnung der Bestände in einem Freihandmagazin meist fortlaufend nach dem Zugang.