Emil Stumpp (1886 - 1941)
Emil Stumpp hat in erster Linie als Porträtzeichner gearbeitet. Darüber hinaus sind auch viele Landschaftsbilder, Aquarelle, Radierungen, und Ölbilder entstanden. Den Ersten Weltkrieg durchlebte er mit dem Skizzenbuch in der Tasche. Er verließ seine sichere Beamtenstelle um freischaffender Künstler zu werden und richtete sich ein Atelier in Berlin ein. Seine rasche Auffassungsgabe und sein Schnelligkeit gewohnter Zeichenstift machten ihn zu einem der bekanntesten Pressezeichner zwischen 1924 und 1933.
Er trifft und zeichnet fast alle Persönlichkeiten, die in Politik, Wissenschaft, Literatur, Kunst und Sport Rang und Namen haben, in Deutschland wie im Ausland.
Der Dichter Ernst Wiechert, in Königsberg ein Kollege von Emil Stumpp, schrieb über ihn in seinen Erinnerungen „Er war ein überzeugter Sozialist und ein Mensch mit eigenen Gedanken, ein furchtloser und makelloser Charakter…Stumpp war einer der ganz wenigen treuen Freunde, auf die man wie einen Felsen bauen konnte.“
Emil Stumpp stand von Anfang an dem Nationalsozialismus ablehnend gegenüber, öffentlich bekannte er sich zur Sozialdemokratie. Eine Hitler-Karikatur von 1932 wird 1933, als er erneut ein Hitler-Porträt für den linksliberalen „Dortmunder Generalanzeiger“ zeichnete, Anlass, die Zeitung zu verbieten und Stumpp Publikationsverbot zu erteilen. 1940 kommt Emil Stumpp aus Schweden zur Beerdigung seiner Tochter zurück. Da sein Pass abgelaufen war und nicht verlängert wurde, war er gezwungen in Deutschland zu bleiben.
Ein Wortgefecht mit dem Bürgermeister von Perwelk hinterbrachte dieser der Gestapo. Ebenso wurde dort ein Gespräch Stumpps mit zwei französischen Kriegsgefangenen gemeldet. Emil Stumpp wurde verhaftet und starb an den elenden Haftbedingungen.
17. März 1886 Neckarzimmern – 5. April 1941 Zentralgefängnis Stuhm/Westpr.
geb. als Sohn des Gärtners Wilhelm Stumpp und seiner Frau Maria
ab 1889 aufgewachsen in Worms
1904 Abitur, ein Semester an der Karlsruher Kunstgewerbeschule
1904 - 1905 Militärdienst
1905 - 1914 Studium der Germanistik, Geschichte und Philosophie an der Universität
Marburg, Aufenthalte in Berlin und Uppsala, Heirat mit Hedwig Glas aus Schweden
1914 – 1918 Soldat, mehrere Verwundungen, Reserveoffizier
1918 November - März 1919 vom Arbeiter- und Soldatenrat zum Kommandanten
des Königsberger Militärbahnhofs gewählt
1919 Lehrer am Hufengymnasium in Königsberg für Kunst und Sport; Mitbegründer
und bis 1926 erster Vorsitzender des „Wirtschaftsverbandes bildender Künstler
Norddeutschlands“ mit Sitz in Königsberg
1918, 1919, 1921 und 1931, 1933, 1935 und 1937 Beteiligung an den Jahresaus-
stellungen des Königsberger Kunstvereins
1924 berufliche Selbständigkeit als Pressezeichner
1926 – 1933 Arbeit für den „Dortmunder Generalanzeiger“ als Zeichner und Journalist
1928 Tod seiner Frau Hedwig, seine Schwester Julie betreut die fünf Kinder in
Königsberg
1933 Berufsverbot als Pressezeichner
1934 - 1940 ständige Auslandsreisen durch Europa und Nordafrika, zeichnet und malt Landschaften und Persönlichkeiten, um vom Verkauf der Bilder zu leben
2.10. 1940 Verhaftung in Perwelk/Kurische Nehrung nach einer Denunziation;
anschließend Untersuchungshaft in Memel
14. Januar 1941 Verurteilung in Memel wegen „Vergehens gegen das Heimtückegesetz“; weiterhin Haft in Königsberg
31.3. 1941 Verlegung in die Haftanstalt Stuhm, dort stirbt er am 5. April an den Folgen der Haft
Dr. Angelika Keune
Literatur: Emil Stumpp. Ein Zeichner seiner Zeit. Herausgegeben von Detlef Brennecke, Berlin/Bonn, 1988
Für die Informationen herzlichen Dank an Herrn Michael Stumpp, Emil-Stumpp-Archiv, Gelnhausen.



